Simon und die vier Lichter

1. Advent: Simon, der Schafshirte
Eine Weihnachtsgeschichte von Gerda Marie Scheidl
Zweitausend Jahre ist es nun schon her, da hütete der Hirte Simon im fernen Land Galiläa die Schafe. Es war ein grauer Tag. Schwerer Nebel lag über dem Boden. Abdon, der Mann, dem die Schafe gehörten, schaute vergeblich nach der Sonne. So schickte er die Hirten Jakob und Simon auf eine höher gelegene Wiese. Dort, über dem Nebel, sollten sie die Schafe weiden.
Simon drängte sich an Jakob. Im dichten Nebel war es ihm unheimlich. Er war noch jung, erst neun Jahre alt. Jakob aber war groß und stark. Schützend legte er Simon den Arm um die Schultern.
Da sprang ein schneeweißes Lamm herbei. Es blökte ängstlich. Jakob nahm das Lamm und legte es Simon in die Arme. „Hier“, sagte er. „ Du darfst unser kleinstes Lamm tragen. Hüte es gut!“ Simon freute sich und ließ das Lamm nicht aus den Augen. Nachts durfte es sogar unter seinem Mantel schlafen. Das gab beiden Wärme und Zutrauen.
Sechs Tage blieben Jakob und Simon auf den Hügeln, dann wurde es Zeit, die Schafherde für die Heimkehr zusammenzutreiben. Die Wiesen waren abgegrast, Abdon musste ihnen eine neue Weide zuweisen.
Simon wollte helfen. Doch Jakob schüttelte den Kopf. „Du und das Lamm, ihr ruht euch aus, bis ich die Schafe beieinander habe.“ Simon war froh. Das Lamm hatte ihn ganz schön auf Trab gehalten. Immer wieder war es davongelaufen und musste eingefangen werden. Simon ließ sich unter einem Olivenbaum nieder und schloss müde die Augen. Das Lamm kuschelte sich dicht an ihn.
Da breitete sich ein wundersamer Duft aus, ein Duft von Rosen, Lilien und Mandelblüten. Simon versuchte, die Augen zu öffnen, aber seine Lider waren zu schwer. Jetzt glaubte er, auch einen fröhlichen Gesang zu hören. Immer deutlicher. Dann trat plötzlich Stille ein. Auch der süße Duft verflüchtigte sich.
Endlich gelang es Simon, die Augen zu öffnen. Vor ihm stand Jakob. Ernst blickte er Simon an und fragte: „ Wo ist das Lamm?“
Simon erschrak. Eben hatte das Lamm doch noch neben ihm gelegen! Simon sprang hoch. Er rief nach dem Lamm. Er lockte es an. Doch kein vertrautes Blöken antwortete. Er suchte es überall.
„Komm, wir müssen die Herde heimtreiben“, sagte Jakob.
Traurig trottete Simon neben der Herde einher. Wo war sein Lamm? War ihm etwas zugestoßen? Was würde Abdon sagen?
Abdon war sehr verärgert, als sie spät nachts ankamen und Simon erzählte, wie sein Lamm verlorengegangen war. „Das ist doch alles Unsinn, was du mir da erzählst, von einem wundersamen Traum“, schimpfte Abdon. „Geschlafen hast du, statt aufzupassen!“ Wütend schüttelte er Simon an den Schultern. „Sofort machst du dich auf den Weg. Aber wage es nicht, ohne mein Lamm wiederzukommen!“ drohte er.
Jakob machte sich Sorgen, den Jungen so ganz alleine gehen zu lassen. Aber er konnte nichts gegen Abdon tun. So ging er in seine Kammer und holte die Laterne mit den vier Lichtern, die er einst von einem Wanderer bekommen hatte mit den Worten: „Sie werden dem im Dunkeln leuchten, der in Not ist.“
Nun gab Jakob die Laterne an Simon weiter und sagte: „Trage den vier Lichtern Sorge, dann werden sie dir auf dem Weg leuchten.“ Simon nahm die Laterne mit den vier Lichtern, und in seinen Händen leuchteten sie auf. Zuversichtlich machte sich Simon auf den Weg, sein Lamm zu suchen.

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